Familie

Der Volksmund sagt: "Familie hat man, Freunde kann man sich aussuchen!" Aber wie man damit klarkommt, mit den Familienbanden, dafür gibt es keine Gebrauchsanleitung. Es hängt wohl von sehr vielen persönlichen Gegebenheiten ab. Oft sind die Bande doch nicht so eng, wie man hin und wieder denkt, Vor allem, wenn es sich um weitläufigere Familie handelt. Auch entwickeln sich Lebenseinstellungen so unterschiedlich, dass es einfach nicht mehr passt. 

Auf dieser Seite stelle ich meine Familie vor. Menschen, die mir etwas bedeutet haben, die meine Kindheit und Jugend begleitet und Einfluss auf meine Entwicklung hatten. Die meisten davon haben die irdische Welt lange verlassen. Aber so ist das Leben, die einen kommen, andere gehen. Irgendwann läuft bei uns allen die Lebensuhr ab.

Ich unterscheide hier zwischen meiner Familie und der Schwiegerfamilie.  Zwei Gruppen, wie sie nicht unterschiedlicher hätten sein können. Meine Familie war eher konservativ, während die Schwiegerfamilie im Gegenteil locker und aufgeschlossen war.  Aber bei allem Unterschied, beide Familien waren mit Menschen besetzt, die für einander da waren, die geholfen haben, auf die man sich verlassen konnte.  Ich beginne mit meiner Familie, die überschaubar war und noch heute ist.

Bitte habt Verständnis dafür, dass ich bei noch lebenden Personen keine Nachnamen nenne. 

Mein Großvater

Otto Ernst G. (24.08.1889 - 17.12.1972) wurde in Frankfurt/Oder geboren. In einer Zeit, als Deutschland noch Kaiserreich war. Wilhelm II. war Deutscher Kaiser und im Land wurde die Renten- und Invaliditätsversicherung eingeführt.

Viel ist mir über seine Kindheit und Jugend nicht bekannt, ebensowenig über diese Familie. Ich weiß, dass Opa mehrere Geschwister hatte, einige davon habe ich noch erleben dürfen. Weiterhin gab es noch eine Nichte in Frankfurt/O. , die ich schon als Kind kannte. Wie und warum Opa nach Berlin kam, weiß ich nicht. Ob er einen Beruf erlernt hat? Ich weiß es nicht! Er war das, was man früher einen hochherrschaftlichen Chauffeur nannte. Er fuhr für die englische Botschaft. Davor war er auch für die chinesische Botschaft tätig. Diese Beschäftigung rettete ihn vor der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg.  Während der letzten Kriegstage schlief er sogar in der Botschaft, denn er durfte das Hoheitsgebiet nicht verlassen, sonst hätten Hitlers Häscher ihn kassiert. So aber sorgte er nur dafür, dass die Familie Lebensmittel bekam.  Als Kind fand ich es toll, wenn Opa zu Hause mit dem Auto vorfuhr, in Livree mit weißen Handschuhen, das war was. Ein Auto war zu dieser Zeit noch etwas ganz besonderes.

Mein Opa war eher ein ruhiger Zeitgenosse. Er redete nicht viel, aber wenn es erforderlich war, gab es klare Worte. Er war ein "Herr", verbreitete eine stille Dominanz. Die Rollen waren klar verteilt, wie es zu der damaligen Zeit üblich war. Ich habe nicht erlebt, dass Opa im Haushalt geholfen hätte. Er bezog später eine kleine Rente. Mal abgesehen von Familienbesuchen und kleinen Ausflügen liebte Opa seinen Sessel, seine Zeitung und seine Zigarre. Ein Fotoapparat, eine alte Leica, war sein Lieblingsspielzeug. Sie kam regelmäßig zum Einsatz. Alle Kinderbilder von mir, sind mit dieser alten Kamera aufgenommen worden. Opa war stets gepflegt und vermittelte einen würdevollen Eindruck. Für mich war er ein liebevoller Vaterersatz. Auch wenn die Erziehung für heutige Verhältnisse engstirnig war, Opa hätte wohl alles für mich getan. Als Opa älter wurde, erlebte ich ihn häufig krank. Er hatte ein Nierenleiden, hatte oft Schmerzen und war dann im Krankenhaus. Als ich schon nicht mehr zu Hause lebte, fing Opas Geist an sich zu verwirren. Heute würde man vermutlich von Demenz sprechen. So gab es schon ab und an gefährliche Situationen. Einmal erwischte Oma ihn mit einem Streichholz am Fenster. Er wollte nur einmal schauen, ob die Gardine brennt, so sein Kommentar. Zu dieser Zeit, Anfang der siebziger Jahre, war klar, dass die beiden alten Leute nicht mehr allein zu Hause bleiben konnten. So waren sie meist bei ihrer mittleren Tochter in Gatow, die dort ein Haus hatte. Ihre Wohnung behielten sie aber noch. Opa war 83 Jahre alt, als er im alten Krankenhaus in Neuköllner Ortsteil Britz für immer die Augen schloss. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof "In den Kisseln" in Spandau.     

Otto G. war mein Großvater mütterlicherseits und mein amtlich bestellter Vormund. Ja, damals, als ich 1946 geboren wurde, war das noch erforderlich, denn ledige Mütter bekamen kein alleiniges Sorgerecht für ihre Kinder.   

Meine Großmutter

Luise G., geb. Müller (08.05.1891 - 15.06.1978) wurde in Oberschlesien (heute Polen) geboren. Auch sie hatte mehrere Geschwister, von denen ich mich aber nur an zwei Schwestern erinnern kann. Wie Oma genau nach Berlin kam, ist mir nicht bekannt, Sie hat einmal erzählt, dass sie in Berlin als junges Mädchen in Stellung war. Aber das war ja zu damaliger Zeit nicht unüblich. Meine Oma war eine starke Frau, auch wenn man ihr das nicht ansah. Sie war ihr Leben lang Hausfrau, bescheiden und ohne eigene Ansprüche. Mich behütete sie wie eine Glucke. Aber man sah Oma das nie an. Stets gepflegt, mit friesierten Haaren und Absatzschuhen verließ sie das Haus. Eine Schürze trug sie nur zur Hausarbeit. Ich kann mich nicht erinnern, dass Oma jemals wirklich krank war. Mal abgesehen von Magenverstimmungen, die mit Milch auskuriert wurden, war sie immer fit, bis ins hohe Alter. Nachdem Opa tot war, wurde die Wohnung in Britz aufgegeben und sie zog endgültig zu ihrer Tochter in Gatow. Früher mit Opa gab es jeden Tag zum Abendessen ein Gläschen Bier und später trank sie am Abend ein Gläschen Sekt. Das auch noch an dem Abend, als sie die Augen für immer schloss. Im Alter von 87 Jahren kam sie wegen einer Herzschwäche ins Krankenhaus und schlief dort in der gleichen Nacht friedlich ein. Ich war am Abend noch bei ihr. Ihre letzte Ruhestätte fand sie ebenfalls auf dem Spandauer Friedhof "In den Kisseln",  neben ihrem Mann. Die Oma war,  neben dem Opa,  meine wichtigste Bezugsperson. 

Oma hatte einen kleinen Hund, "Struppi". Der  wurde sehr verwöhnt. Er durfte sogar mit am Tisch sitzen, hatte dort seinen eigenen Stuhl. Der kleine Hund starb, als wir noch in Wilmersdorf wohnten. Später hatte Oma eine Katze, die auch sehr verhätschelt wurde, bis das Tier Oma den Arm zerbissen und zerkratzt hat. Das Theater um diese Tiere trug vermutlich dazu bei, dass ich bis heute keine Haustiere mag.  Rechts: Struppi etwa 1951.

Ein langes Eheleben

Am 30. August 1962 konnten meine Großeltern ihre Goldene Hochzeit feiern. Es war ein ruhiges Fest, wie eigentlich alle Feierlichkeiten bei uns zu Hause. Das Foto zeigt Oma und Opa zu Ihrer Goldenen Hochzeit. Mit auf dem Foto: von rechts: Tante Erna, ich und meine Cousine Christa.  Auch ihre Diamantene Hochzeit (60 Jahre) konnten sie noch erleben. Allerdings wurde da nichts mehr gefeiert. Opa war schon zu krank, um das noch zur Kenntnis zu nehmen. 

 

 

Wie sich Oma und Opa kennengelernt haben, habe ich nie erfahren. Am 30. August 1912 haben die zwei in Berlin-Steglitz  geheiratet. Sie hatten eine Wohnung in der Steglitzer Steinstraße. Am 05. April 1913 wurde die erste Tochter Charlotte geboren, es folgten am 07. Juli 1914 Tochter Luise und am 15. Oktober 1915 Tochter Erna. Zu dieser Zeit tobte der Erste Weltkrieg. 1919 endete der Krieg und damit die Monarchie. Es begann die Weimarer Republik, die letztlich im Zweiten Weltkrieg mündete. Es begann die schwärtzeste Zeit in Deutschland. Wie diese beiden, mir so nahe stehenden Menschen, diese Zeiten bewältigt haben? Davon ist mir auch wenig bekannt. Ich habe nur erfahren,  dass sie zweimal "ausgebomt" sind, und alles verloren haben. Als ich geboren wurde, wohnten sie schon in Wilmersdorf. Über diese Zeiten wurde zu Hause nur wenig gesprochen. Ich erinnere mich, dass Oma und Opa Carepakete bekamen. Das waren Hilfspakete von den Amerikanern, die Lebensmittel, aber auch Schokolade und Tabak enthielten. Es war für uns Kinder jedes Mal ein Fest, denn wir durften die Pakete öffnen. 

 

 

Danke, Oma und Opa, dass es Euch gab! Ich habe und werde, solange ich lebe, euch immer in meinem Herzen tragen.

Meine Mutter (die Karrierefrau)

Charlotte K., geb. G. (05. April 1913 - 21. November 1999)  wurde in Berlin als erstes Kind von Otto und Luise G. geboren.  Mit ihren beiden Schwestern, die jeweils ein Jahr später folgten, wuchs sie als Kind während des Ersten Weltkrieges auf. Als sie in der Weimarer Republik die Schule besuchte, war sie von den drei Schwestern die einzige, die ein Lezeum absolvierte. Das war zu der damaligen Zeit eine höhere Mädchenschule, heute unserem Gymnasium ähnlich. Sie war lernbegeistert, wissbegierig und wollte mehr.  Das nahm jedoch ein jähes Ende, als sie mit Anfang 20 Fred K. heiratete, ein Mann , der zur SA, also zu Hitlers NSDAP gehörte. Dieser Mann soll, nach Erzählungen meiner Familie, nicht gut zu ihr gewesen sein. Es folgte alsbald die Scheidung. Sie war viel unterwegs, selten zu Hause. Später verdingte sie sich bei den Alliierten als Sekretärin. Dort muss sie bei den britischen Streitkräften auch meinen Vater kennengelernt haben. Thomas Rundle war Soldat in Berlin. Darüber gibt es Aufzeichnungen meiner Mutter, die mir vorliegen. 

Meine Mutter mit ihrer jüngeren Schwester Luise

etwa 1915

Es gibt über seinen Verbleib unterschiedliche Aussagen zwischen meiner Mutter, den Großeltern und meinen Tanten, die ihn kannten. Jedenfalls soll er, noch bevor meine Mutter von der Schwangerschaft wusste, aus Berlin weggegangen sein, wohin auch immer. Sie selbst stellte ihren Beruf und ihr Weiterkommen immer an erste Stelle. Sie war nach dem Krieg als Sekretärin bei dem Elektronikkonzern TELEFUNKEN (später AEG/TELEFUNKEN) beschäftigt. Sie war perfekt in Stenographie und Schreibmaschine.  Nebenbei besuchte sie die Abendschule zur Fortbildung. Gewohnt hat sie im Berliner Bezirk Kreuzberg, in einem Hinterhaus. Ganz unter dem Dach hatte sie bei einem älteren Fräulein ein kleines Zimmer. Ich erinnere mich, mit meinen Großeltern dort gewesen zu sein.   

Ich sehe ein kleines dunkles Zimmer vor mir, ein Bett, ein Schrank, ein Tisch und zwei Stühle. In der einen Ecke stand ein Radio auf dem ein gerahmtes Foto stand. Meine Großeltern meinten, darauf wäre mein Vater zu sehen. Ich war damals noch zu klein, um mir darüber Gedanken zu machen. Fragen nach meinem Vater wurden stets beantwortet "das geht dich nichts an". Erst sehr viel später konnte ich mit meiner Mutter darüber sprechen. Sie tat es nicht gerne, aber ich ließ keine Ruhe mehr. Da war ich aber schon etwa 25 Jahr alt. Sie knallte mit die noch vorhandenen Unterlagen auf den Tisch, beantwortete wiederwillig ein paar Fragen, und das war es. Bestätigt wurde mir von meiner Familie jedoch, dass ich meine dunklen Haare, die dunklen Augen und auch das Temprament von ihm habe. 

Doch zurück zu meiner Mutter. Zu uns kam sie oft am Sonntag oder an Feiertagen zur Kaffeezeit. Ein bis zwei Stunden, dann war sie wieder weg. Wollte ich als Kind zu ihr auf den Schoß, hieß es: "geh weg, mein Roch knautscht". Ich wusste, es war meine Mutter, aber eine richtige Beziehung hatte ich zu ihr nicht. Als ich etwas älter wurde, bekam ich jede Woche von ihr 5 DM  Taschengeld. Das war in den 50/60ger Jahren viel Geld. Oma und Opa bekamen von ihr wohl pro Monat für mich 50 DM Unterhalt. Darüber hinaus ging sie mit mir einkaufen, wenn Oma ihr sagte, dass ich Kleidung oder Schuhe brauchte. Das bezog sich aber auf das Norwendige und Paktische. Was ich vielleicht mochte, war dabei nicht ausschlaggebend.

Bei Telefunken, sie war nun Chefsekretärin, wurde etwas später Chefredakteurin der hauseigenen TELEFUNKEN-Zeitung,.  Dort hat sie dann einen Mann kennengelernt, Justus Sch. Mit ihm zog sie nach Tempelhof in eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Durch ihn kam ich in den Genuss meiner ersten Reise. Da war ich etwa acht Jahre alt. Eine zweite folgte im Jahr darauf, dazu an anderer Stelle mehr. Meine Mutter machte den Führerschein und hatte dann auch ein kleines Auto.    

Das Foto zeigt mich mit Justus Sch., es war mein 13. Geburtstag im Jahr 1959 in Berlin-Britz am Auto meiner Mutter, einem Lloyd 600.

Sie lebte mit diesem Mann nun zwar zusammen, aber die Beziehung, die er gern gehabt hätte, wurde es wohl nie. Ich war öfer dort, auch schon mal zum Mittagessen, aber eine Hausfrau war meine Mutter nicht.  Das ich dort über Nacht blieb, wollte sie nicht, am späten Nachmittag fuhr ich wieder nach Hause. 

Ein ganz seltenes Foto: meine Mutter mit ihren ersten Enkelkind 1967

Als ich ihr mit 18 Jahren meinen Freund und späteren Mann vorstellte, reagierte sie sehr zurückhaltend. Als wir allein waren, fragte sie mich, was ich denn mit "Dem" wolle. Er war ihr als einfacher Handwerker nicht gut genug. Ich verstand das nun gar nicht. Handwerker ist doch ein ehrbare Beruf! Er ging regelmäßig seiner Arbeit nach und hatte auch sonst keine schwarzen Flecken auf seiner Weste. Ich selbst hatte ja auch "nur" einen Handwerksberuf gelernt. Aber das gefiel ihr ja auch nicht. Der Standesdünkel eben. Als ich ihr einmal zu verstehen gab, dass sie mich ja einmal in die Kreise, die ihr genehm waren, hätte einführen können, hatte sie auch eine Ausrede. Aber ich verstand, die Eifersucht auf meine Jugend ließ das nicht zu. So hatte ich mir eben meine eigenen Kreise gesucht. Sie kam auch weder zur Verlobung noch zur Hochzeit. 

Als ich meiner Mutter sagte, dass sie bald Großmutter werden würde, war ihr einziger Kommentar: "Sorge dafür, dass das Kind nicht Oma zu mir sagt". Sie war kurz nach der Geburt einmal zu Besuch, aber mehr Zeit als eine Tasse Kaffee dauert, hatte sie nicht. Zu ihren Enkelkindern bekam sie auch nie wirklich eine Verbindung. Woran das lag? Für diese Frau hatte nur Sinn, was "Lernwert" hatte. Alles andere war Zeitverschwendung. Reisen? Freizeitvergnügen? - Ja, Sprachreisen wurden akzeptiert, ein gutes Buch lesen war sinnvolle Freizeitgestaltung, eventuell noch Sport - aber sonst? So wundert es nicht, dass sich meine Kinder bei der Oma nicht wohl fühlten. Ihre kleinen, kindlichen Angelegenheiten, später ihr Spass im Jugendheim oder in der Disco, interessierte sie nicht. Wie war die Schule, was macht die Ausbildung - das waren Themen. Ich erinnere mich an Situationen, wenn wir ihr aus unseren Ferienreisen eine Ansichtskarte schickten. Da kam nicht ein Danke, nein bemängelt wurden als erstes eventuelle Rechtschreibfehler.   

Trotz allem bemühte ich mich immer wieder, eine Beziehung zu meiner Mutter aufzubauen. Wollte ich ihr bei irgendetwas behilflich sein, war das schon erledigt, wenn ich zum vereinbarten Termin kam. So ließ ich das irgendwann sein. Als wir ihr, gemeinsam mit meiner Tochter, 1992 ihr erstes Urenkelchen vorstellten, beleidigte sie meine Kinder. Das war es dann. Ich brach den Kontakt ab.  Danach habe ich sie nicht mehr wiedergesehen. Meine Cousine Christa informierte mich am 21. November 1999 über ihr Ableben. Erst zur Beerdigung erfuhr ich, dass sie die letzten Monate im Johannisstift in Spandau gelebt hat. Auf Grund eines Oberschenkelhalsbruchs, saß sie zuletzt im Rollstuhl. Meine Mutter ist 86 Jahre alt geworden. An ihrem Grab habe ich gestanden und gefragt: "WARUM" Eine Antwort werde ich nicht mehr bekommen!

Justus Sch.

Justus Sch. war der Lebensgefährte meiner Mutter. Geburts- und Sterbedatum sind mir nicht mehr bekannt, ich weiß nur noch, dass ich schon junge Frau war, als er zu Grabe getragen wurde. Dieser Tag ist mir so in der Erinnerung geblieben, weil ich da das erste Mal erlebt habe, dass meine Mutter eine emotionale Regung gezeigt hat. Ich selbst habe diesem Mann sehr viel zu verdanken. Er war für mich "Onkel Sch.". 

Justus Sch. war Dolmetscher bei TELEFUNKEN. Er sprach sieben Sprachen und war gut situiert. Eine Zeit lang hat er auch probiert, mir die englische Sprache näher zu bringen, was aber nicht wirklich funktioniert hat.  Ich habe später oft bereut, da nicht etwas mehr Lernwillen gehabt zu haben. Er lebte mit meiner Mutter in schon genannter Zwei-Zimmer-Wohnung am Tempelhofer Berlinickeplatz. Jeder hatte sein Zimmer. Onkel Sch. wollte sie wohl heiraten und mich dann adoptieren, was meine Mutter zu verhindern wusste. Sie wollte auch beruflich nicht kürzer treten. Vieles hat mir mein Nennonkel einmal erzählt, als ich, schon selbst junge Mutter, einmal ein persönliches Gespräch mit ihm hatte. Ich ging zu ihm, um mich für ein Weihnachtsgeschenk zu bedanken. 

Folgendes war geschehen, es war der Tag vor dem Heiligen Abend im Jahr 1970. Wir, das heißt, mein Mann und unsere beiden kleinen Kinder, saßen am Morgen zu Hause und überlegten, wo wir zu den Feiertagen noch etwas zu essen herbekamen. An Geschenke für die Kinder war gar nicht zu denken.  Das Portemonnaies war leer, das Bankkonto leuchtete schon rot, es war zum verzweifeln. Wir hatten nie viel Geld, aber in diesem Jahr war es ganz schlimm. Plötzlich klingelte es. Vor der Tür stand der Briefträger mit einer Geldüberweisung. Wer, bitte, überweist uns Geld? 600 DM zahlte der gute Mann uns aus. Bei näherem Hinsehen erfuhren wir den Absender. Das Geld kam von meinem Onkel Sch. 

Riesige Freude, die auch der Postbote zu spüren bekam. Dabei viel mir ein Spruch ein: "Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her". 

So gab es an Weihnachten doch noch einen Braten auf dem Tisch und für die Kinder ein paar kleine Geschenke. Der Rest wurde eingeteilt, denn bis zur nächsten Gehaltszahlung dauerte es noch eine Weile. 

Anrufen konnte ich meinen Onkel nicht, denn Telefon hatten wir nicht. So nutzte ich die nächste Gelegenheit, mich bei ihm persönlich zu bedanken. Ich tat das zu einer Zeit, zu der ich wusste, dass meine Mutter nicht anwesend sein würde. Als sie später von diesem Gespräch erfuhr, wurde sie richtig ärgerlich. Ich sollte nämlich nicht erfahren, dass alles, was sie mir zukommen ließ, in Wirklichkeit von Onkel Sch. stammte. Z. B. die beiden Reisen, meine erste Armbanduhr zur Konfirmation und vieles andere.   Ich habe ihn an der Seite meiner Mutter auf seinem letzten Weg auf dem Friedhof "In den Kisseln" in Spandau begleitet, und bewahre ihm ein ehrendes Andenken. 

                                                                            Dieses Foto zeigt mich mit Onkel Scholz bei einem

                                                                              Ausflug nach Frohnau. Leider gibt es dazu kein       

                                                                          genaues Datum mehr, aber es muss so 1964/65  gewesen sein.

Meine Mutter und Justus Sch. 1962

in Berlin-Britz

Tante Lieschen (die Labile)

Luise R. geb. G. (07. 07. 1914 - 22.05.1995) war die zweite Tochter meiner Großeltern und somit die jüngere Schwester meiner Mutter. Für mich war sie "Tante Lieschen".  Von ihrer Kinderzeit weiß ich nicht viel. Sie hat die Hauptschule absolviert und den Beruf der Verkäuferin gelernt. Gearbeitet hat sie bei "Hermann Tietz", dem späteren HERTIE. Diesem Umstand war es zu verdanken, dass sie auch in schweren Zeiten schnell an Lebensmittel und andere Waren kam, und so erheblich zum Wohl der Familie beitragen konnte. Verheiratet war sie mit Karl R. Als die gemeinsame Tochter Christa 1949 geboren wurde war sie schon 34 Jahre alt. Später hat sie im Berliner Kaufhaus KaDeWe als Substituten gearbeitet, das entspricht einer heutigen Einkäuferin.  Etwa im Jahr 1969 wurde sie Witwe. Selbst gesundheitlich schwer angeschlagen klammerte sie sich an ihre Tochter. Als ihr Mann Karl an einer Lungenkrankheit im Krankenhaus starb, lag sie selbst, schwer verletzt durch einen Autounfall, im Krankenhaus. 

Ich habe meine Tante als stets kränkelnde Frau erlebt, die unter der Fuchtel ihres Mannes stand. Nachdem ich im Erwachsenenalter war, hatten wir zunehmend weniger Kontakt, der irgendwann ganz im Sande verlief. Als ich im Mai 1995 die Traueranzeige bekam, hielt ich es nicht für erforderlich zur Beisetzung zu gehen. Wir hatten schon lange keinen Kontakt mehr, es fühlte sich falsch an.  

Tante Lieschen war eine meiner Taufpaten und später die Patin meiner Tochter Sonja. 

Onkel Karl

Onkel Karl 1962 mit seinem jüngsten Enkelkind von seiner Tochter aus erster Ehe. Silvester 1961/62

Karl R. war der Ehemann meiner Tante Lieschen. Ich erinnere mich an einen grobschlächtigen Mann, den ich nie mochte. Er war Maschinenschlosser, in der Baubranche beschäftigt und neigte gern zu derben Scherzen. Er fuhr Motorrad, besaß damals eine Maschine mit Beiwagen. Das war für mich als Kind schon das einzig Interessante, wenn ich dort einmal mitfahren durfte. Onkel Karl war mit meiner Tante in zweiter Ehe verheiratet, hatte eine, schon erwachsene, Tochter aus erster Ehe. Mit meiner Tante gab es dann meine Cousine Christa. Weiterhin hatte Karl mehrere Geschwister.

Die kleine Familie lebte zunächst mit uns zusammen im gleichen Haus Hohenzollerndamm 33a. Als Christa etwa 5 Jahre alt war, im Jahr 1954, zogen die drei nach Gatow (Bezirk Spandau) in ein eigenes Häuschen mit einem großen Garten. Das war zwar schön, aber auch sehr abgelegen. Ohne fahrbaren Untersatz waren die Menschen dort ziemlich verloren. Meine Tante arbeitete zu dieser Zeit im KaDeWe und hatte einen weiten Weg. So ging es bei Wind und Wetter mit dem Motorrad zumindest bis zur nächsten Bushaltestelle. Wenn das nicht möglich war, musste sie etwa eine halbe Stunde durch ein Waldgebiet laufen. Später wurde ein Auto angeschafft. Auch Christa hatte einen Schulweg von etwa einer halben Stunde, fußläufig durch den Wald.  Ich war als Kind oft dort, am Wochenende oder in den Ferien. Als ich älter wurde, ging ich dort nicht mehr gerne hin. Ich mochte Karl seine derben Späße nicht. Ich war Teenager, als ich dort einmal wieder über Nacht blieb. Am Morgen kam er ins Zimmer und zog mir die Bettdecke weg. Was mir peinlich war, fand er lustig. Von da an vermied ich es, dort zu übernachten.  

Onkel Karl werkelte in seiner Freizeit gerne in Haus und Garten, rauchte wie ein Schlot und trank auch gern sein Bierchen. Ich erinnere mich an schreckliche Hustenanfälle. Dazu kamen der damals noch mangelnde Arbeitsschutz auf der Baustelle. So wurde er lungenkrank. Er starb 1969 an den Folgen dieser Krankheit. Er wurde keine 60 Jahre alt. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Friedhof der Dorfkirche Gatow. Da es keine Vorsorge gab, nichts geregelt war, musste meine Tante der Tochter aus erster Ehe das Erbe auszahlen, zumal das Haus und alles was dazu gehörte, auf den Namen des Mannes lief. Aber das war damals so üblich.  Es war eine schwierige Zeit.  

Auch Onkel Karl war einer meiner Taufpaten.

Christa R.

Christa im Jahr 1985

Christa R. (*06. 01. 1949 - ?) ist/war meine Cousine, die Tochter von Tante Lieschen und Onkel Karl. In Kinderjahren war sie meine einzige Spielgefährtin, das einzige weitere Kind in meiner Umgebung bis zur Schulzeit. Da wir ja in einem Haus lebten, und ihre Eltern beide berufstätig waren, war sie oft bei uns. Meine Großeltern waren ja auch die ihren. Das führte oft zu Streitigkeiten und Eifersüchteleien. Im Gegensatz zu ihr, war ich bei unseren Großeltern zu Hause, während sie "nur zu Besuch" war. Über mich hatten die Großeltern das Sagen, Christa hatte Eltern, die bestimmten wo es lang ging. So hatte ich natürlich Priorität in meinem Zuhause. Auf der anderen Seite war ich aber auch die Ältere, es wurde stets Verständnis von mir erwartet, wenn "die Kleine" Blödsinn machte. Verständnis für Andere, diese Erwartungshaltung sollte mich ein ganzes Leben begleiten.

Einmal gab es eine Situation, in der ich auf meine Cousine neidisch war. Christa durfte in den Kindergarten gehen. Für mich hielten das die Erwachsen nicht für nötig, denn Oma war ja den ganzen Tag zu Hause. Einmal durfte ich dann mit in den Kindergarten, es wurde ein Sommerfest veranstaltet. Es war toll, viele Kinder, die Spaß zusammen hatten und ich saß zu Hause. Aber alles Bitten, dort auch hin zu dürfen, half nichts.   

Christa (li) und ich im Sommer 1952 im Wilmersdorfer Preußenpark.

Doch trotz aller Streitereien war Christa meine einzige Spielgefährtin, daher fehlte sie mir doch sehr, als sie mit ihren Eltern vom Wilmersdorf nach Gatow zog. Sicher war ich hin und wieder dort, oft in den Schulferien. Aber Christa hatte dort in der Siedlung, wo viele Familien wohnten, sehr schnell Anschluss zu Kindern aus der Nachbarschaft und schloss Freundschaften. So war ich, wenn ich dort zu Besuch war, eine Fremde, eine Aussenseiterin. Das fühlte sich für mich jedenfalls so an.  

Christa absolvierte in Gatow ihre Grundschulzeit und besuchte danach die Oberschule in Spandau. Nach einem weiteren Jahr auf einer Haushaltsschule machte sie eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Sie fand einen Arbeitsplatz bei er Deutschen Rentenversicherung (damals BFA) und blieb dort bis zur Rente. Privat war sie als Jugendliche im Ruderverein, dort konnte sie mit dem Fahrrad hin. Abends auszugehen, war aufgrund des abgelegenen Wohnortes schwierig. Sie brauchte immer ihren Vater, der sie mit dem Auto irgendwo abholte. Wenn wir sie überreden konnten, einmal mit uns etwas zu unternehmen, schlief sie bei uns und wir brachten sie am anderen Tag nach Hause. Sonst kümmerte sich Christa mit um Haus und Garten und ging ihrer kränkelnden Mutter zur Hand. Als Christa 20 Jahre alt war, verstarb ihr Vater, und die Mutter lag schwer verletzt im Krankenhaus. Sie machte nun auf dem schnellstmöglichen Weg den Führerschein, um beweglich zu sein. Wir versuchten zwar zu helfen, aber viel konnten wir nicht tun. Mein Mann und ich waren beide berufstätig, hatten zwei kleine Kinder. Auch ein Auto hatten wir zu dieser Zeit noch nicht. Der Weg von Britz, wo wir wohnten, nach Gatow war weit. Als die Mutter aus dem Krankenhaus kam, brauchte sie viel Hilfe. Christa stand nun fast allein mit den ganzen Problemen da. Dazu kamen die Erbstreitigkeiten mit der Tochter aus Karls erster Ehe. Freunde und Bekannte hielten sich auch nicht lange. Besucher, die kamen, wurden sofort eingespannt, für irgendwelche Hilfeleistungen in Haus und Garten.   

Christa mit ihrer Mutter (ganz rechts im Foto) anlässlich der Konfirmation meiner Tochter Sonja im Jahr 1984

Am 25. Januar 1985 war Christa (rechts im Bild) noch Trauzeugin bei meiner Hochzeit  

Meine Tante erholte sich von dem Unfall nur langsam. Da sie ohnehin ein labiles Menschenkind war, klammerte sie sich an ihre Tochter. Wir versuchten Christa weiter einmal abzulenken und sie mal zu einer Unternehmung zu überreden. Wenn das mal klappte, und wir sie am anderen Tag nach Hause brachten, bekam sie sofort ein schlechtes Gewissen, weil die Mama ja gerade gestern Abend wieder starke Rückenschmerzen hatte, und keiner da war, der sie einreiben konnte. So wurstelten die beiden Frauen in ihrem Domizil in Gatow vor sich hin. Christas einziges Hobby wurde ihr Auto, das alle zwei Jahre erneuert wurde. Sie fuhr stets eine Opel. Als es Tante Lieschen wieder besser ging, fing sie an, alle möglichen fernen Familienangehörigen ausfindig zu machen. So waren die beiden Frauen in dieser Richtung oft unterwegs. Christas und mein Lebensweg drifteten völlig in unterschiedliche Richtungen. So lange die Oma noch lebte und die letzten Jahre in Gatow verbrachte, hatten wir dadurch noch Kontakt, der nach deren Tod fast ganz einschlief. Während ich meine Familie hatte, beruflich engagiert war und privat gerne reiste und auch kulturell viel unternahm, beschränkte sich Christas Umfeld neben ihrem Beruf auf ihre Mutter und später ihre Tanten. Eine*n festen Partner/in habe ich bei ihr nie erlebt, jedenfalls ist mir davon nichts bekannt. Ende 1999 informierte sie mich über den Tod meiner Mutter. Zu dieser Zeit hatten wir noch einmal kurzfristig Kontakt. Sie war testamentarisch als Haupterbin eingesetzt, zahlte mir aber anstandslos meinen Pflichtteil aus. Nachdem die Formalien erledigt waren, schlief der Kontakt wieder ein. Schade, ich hätte es mir anders gewünscht. Ich habe später noch versucht, eine Verbindung aufzunehmen, aber alles was ich noch erfahren habe, war, dass sie das Haus verkauft hat. Damit verliert sich jede Spur.      

Tante Erna (die Mondäne)

Erna R. im August 1962

Erna R. geb. G. (14.10.1915 - etwa 2015) war die dritte und jüngste Tochter meiner Großeltern. Nach der Schule erlernte sie den Beruf der Schneiderin. Wann sie die Meisterprüfung ablegte, ist mir nicht bekannt. Sie führte einen eigenen Zwischenmeisterbetrieb. Das bedeutete, dass sie für große Konfektionsfirmen nähte. Sie bekam von diesen Firmen Aufträge, dazu das nötige Zubehör und lieferte die fertigen Kleider dann bei der Konfektionsfirma wieder ab. Nebenher nähte sie aber auch für private Kundinnen und für die Familie. Durch sie hatte ich auch immer hübsche Kleidchen, was oft den Neid der Mitschülerinnen hervor rief.  Ihr Betrieb befand sich zunächst in der Wohnung im Hohenzollerndann 33a, in der auch ich mit meinen Großeltern wohnte. Tante Erna beschäftigte zwei Gesellinnen und zwei - drei Lehrlinge. Auch ich lernte dort die ersten Handhabungen mit Nadel und Faden und den Umgang mit einer Nähmaschine, damals noch manuell betrieben.        

Tante Erna war mit Erwin R., einem Bruder von Onkel Karl, liiert. Irgendwann Mitte der Fünfziger Jahre heirateten die beiden. Erwin lebte mit seinem Sohn Erik in der Wohnung über uns. Erik war Fernfahrer und selten zu Hause. Es war immer ein Erlebnis, wenn er mit seinem großen LKW einmal bei uns vor der Tür vorfuhr. Ich hing dann am Fenster und bestaunte dieses riesige Auto. Erwin war Auslieferungsfahrer bei der Firma "ETAM", eine Firma, die Miederwaren vertrieb.      

Tante Erna in den 50ger Jahren während einer Urlaubsreise. Erwin besaß zu dieser Zeit schon ein eigenes Auto.

Nach der Hochzeit verlegte Tante Erna ihren Betrieb in die nun gemeinsame Wohnung ihes Mannes. Erwin war ein noch größeres Ekel als sein Bruder. Er untersagte meiner Tante Kontakte zu ihrer Familie, insbesondere zu mir, ich war für ihn ein Bastard. Gerade einmal kurze Besuche bei den Eltern zu Geburtstagen wurden gestattet. Als wir nach Britz gezogen waren, fuhr er sie dann zu den Eltern und wartete unten im Auto. Eine halbe Stunde hatte Erna dann Zeit, ihre Eltern zu besuchen. Einen eigenen Führerschein hatte sie nicht.

Tante Erna trat immer auf, als wäre sie gerade einem Modejournal entstiegen. Sie achtete sehr auf Äußerlichkeiten, zeigte auch gerne, was sie hatte. Da es keine Kinder gab, und beide Ehepartner ein gutes Einkommen hatten, waren sie für die damalige Zeit wohlhabend. "Neureich" nannte man das. Wir hatten wenig miteinander zu tun. Solange Erwin lebte war auch der  Kontakt zu den Schwestern eher spärlich. Ich sah sie nur anlässlich von Familienfeiern. Meist hatte sie an meinem Äußeren irgendetwas zu bemängeln. Einmal passten die Farben nicht zueinander, ein anderes Mal war der Rock zu kurz u,s.w.

Ende der 80ger Jahre starb Erwin. Ich erfuhr das nur nebenbei, es interessierte mich auch nicht. Danach näherten sich die drei Schwestern wieder etwas mehr an.       

Das letzte Mal habe ich Tante Erna zur Beerdigung meiner Mutter im Dezember 1999  gesehen. Mehr durch Zufall erfuhr ich, dass sie die letzten Jahre ihres Lebens im Jaohnnisstift in Spandau verbracht hat und dort noch ihren 100sten Geburtstag feieren konnte. 

Tante Mary

Marie D. im Oktober 1966

Marie D. geb. G. (Geburts- und Sterbedatum unbekannt), war eine Schwester meines Großvaters und lebte in Berlin Wilmersdorf, Hohenzollerndamm 33a, in der Wohnung unter uns. Sie war Kriegerwitwe und eine recht elegante und selbstbewusste Frau. Sie wollte "Mary" genannt werden, das hörte sich vornehmer an, als Marie. Tanta Mary hatte eine Tochter, die aber nicht mehr bei der Mutter lebte. Wenn sie zu Besuch kam, brachte sie immer ihren Hund mit, ein ständig kläffender Spitz. So wussten immer alle Nachbarn, wenn die Tochter da war. 

Tante Mary ihr Mann war im Krieg gefallen. Vorher war er im Zoologischen Garten Berlin beschäftigt. Dadurch hatte sie als Witwe eine Dauerfreikarte für den ZOO und kam auch oft an weitere Freikarten, die uns zu Gute kamen. Wir hatten keinen engen Kontakt, aber wir gingen familiär, freundlich miteinander um. Tante Mary hatte unter meiner Cousine und mir manches Mal ganz schön zu leiden, wenn wir auf dem Flur über ihr tobten, ja dort sogar Rollschuh liefen.     

Als wir vom Wilmersdorf nach Britz zogen, ebbte der Kontakt ab.  Tante Mary  war noch Gast bei meiner ersten Hochzeit 1966.  Daher stammt auch das Foto. Dann habe ich sie noch einmal 1979 zur Beerdigung meines Opas gesehen.  Danach verlor sich jeder Kontakt.

Tante Lotte und Familie

Tante Lotte, Joachim und ich im Steglitzer Volksparkt etwa 1950

Tante Lotte (keine Daten bekannt) war ebenfalls eine Schwester meines Großvaters. Ich erinnere mich, dass sie in Steglitz wohnte und wir dort öfter zu Besuch waren. Ich fand diese Besuche, die meist Sonntags zur Kaffeezeit erfolgten, langweilig. Es sei denn, der Enkelsohn von Tante Lotte war da. Joachim war ein wenig älter als ich. Er war der einzige Junge in meinem Umfeld, bis zur Schulzeit.     

Heute würde ich es kindliche Verliebheit nennen, ich mochte Joachim, auch noch als Teenager. Wir hatten aber nur wenig Kontakt. Ich weiß heute noch nicht einmal mehr die Nachnamen. Zuletzt haben wir uns 1961 anlässlich meiner Konfirmation gesehen. Er war da schon in der Ausbildung zum Fernmeldetechniker bei der Deutschen Post. Was aus ihm geworden ist, weiß ich nicht. Tante Lotte ist etwa Anfang der 60ger Jahre freiwillig aus dem Leben geschieden. Ihre Tochter überbrachte meinen Großeltern die Nachricht. Danach gab es keinen Kontakt mehr zu der Familie.

Familie Westerkowsky

Familienfoto Weihnachten 1951 v. l. stehend: Onkel Waldi, Tante Mutzi, Onkel Fritz, Tante Erna, mein Opa, vorn sitzend: Tante Marie mit mir, meine Oma mit unserem Hund Struppi und Tante Lieschen mit Christa.  

Marie Westerkowsky geb. Müller, auf dem Foto sitzend ganz links, mit mir auf dem Schoß, war eine Schwester meiner Oma. Sie war verwitwet und hatte zwei Kinder., Sohn Waldemar (Onkel Waldi) und Marie (Tante Mutzi). Beide auf dem Foto stehend ganz links. Der Herr neben Marie ist Fritz, ihr Ehemann. Die beiden waren kinderlos. Zu diesen Familienangehörigen gab es regelmäßigen Kontakt. Besonders Onkel Waldi war mir ans Herz gewachsen. Ich freute mich immer, wenn kam. Er war ein gutmütiger Mensch, spielte mit mir, machte mit mir Spaß und hielt auch mal für mich als Turngerüst her. Wenn es zuviel wurde, konnte er auch einmal energisch "Schluss" sagen, aber er war immer freundlich und hat immer gelacht. Ein eigenartiges Verhältnis gab es zwischen Mutter und Sohn. Waldi lebte mit seiner Mutter zusammen. Von Beruf war er Feinmechaniker. Wenn es irgend ging, brachte sie ihn zur Arbeit und holte ihn wieder ab. Eine Frau an seiner Seite habe ich nie erlebt. Die Mama verstand es, jedes weibliche Wesen, das an der Seite vom Sohn auftauchte, zu verprellen. 

Ich erinnere mich an Tante Marie als eine alte, verhärmte Frau. Aber die Zeit, die diese Menschen durchleben mussten, war schwer.

Es waren aber immer schöne Familienzusammenkünfte, so wie hier an Weihnachten. Daten habe ich von diesen Personen nicht. Ich weiß auch nicht, was aus ihnen geworden ist.  Irgendwann war die Rede davon, dass Tante Marie gestorben war. Waldi lebte dann allein, der Kontakt riss ab.     

Familie in Bremerhaven

Tanta Anna, mit Tochter Hilde und Enkeltochter Rita im Jahr 1958

Gerd und Waltraud S. etwa 1965 anlässlich einer Familienfeier in Bremerhaven

In Bremerhaven lebte eine weitere Schwester meiner Oma, Anna S., mit ihrer Tochter Hilde, Schwiegersohn Hans S. und Enkeltochter Rita. Sie hatte noch einen Sohn, Gerd S. der aber nach Amerika ausgewandert war. Er war dort mit einer Amerikanerin verheiratet und hatte ein Kind.  Gerd war Direktor am Deutschlandfunk in Chicago. 

Meine Oma hatte mit der Familie in Bremerhaven nur Briefkontakt. Tante Hilde ihr Mann, Hans, war Seemann und selten zu Hause. Ich war im Jahr 1965 zur Verlobungsfeier von Rita eingeladen. Da lebte aber Tante Anna schon nicht mehr. Ich fuhr mit meinem damaligen Verlobten dorthin. An diesen Besuch habe ich gemischte Erinnerungen. Auf der einen Seite das einfache Leben der Seemannsfamilie, Hans war auch gerade zu Hause, und auf der anderen Seite Gerd mit seiner Frau, die ich damals als hochnäsige Amerikaner erlebte.  Ein Ausspruch von ihm ist mir im Gedächtnis geblieben, als Mittagessen zubereitet wurde: "Kartoffel gehören in den Keller und nicht auf den Teller!"  

Ich empfand das als anmaßend, zumal Tante Hilde schon genug Arbeit mit dem ganzen Besuch hatte. Die feine Amerikanerin half auch nicht, erwähnte nur, dass sie in Amerika eine Haushaltshilfe hätte. Ich selbst war zu jung und zu fremd um wirklich helfen zu können. Wir waren auch viel mit Rita unterwegs, die uns ihre Heimatstadt zeigte. Die ganze Sache war uns schon unangenehm genug, die vielen Menschen in der Wohnung, morgens der Run auf das Bad. Wir waren später noch einmal dort, stiegen dann aber in einem Gasthof ab. Die Verbindung ist später eingeschlafen, irgendwie passte das nicht. 

Familie in Frankfurt/Oder

Gisela G. mit ihren Eltern etwa 1960. 

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, war mein Großvater gebürtig in Frankfurt/Oder. Dort lebte zu meiner Kinderzeit noch ein Bruder meines Opas mit seiner Familie. Ich kann mich an die beiden alten Leute nicht mehr erinnern, weiß aber, dass es da einen lockeren Kontakt gab. Meine Namensschwester, Gisela Golmert, also eine Nichte meines Großvaters, war mir schon besser bekannt. Sie war öfter in Berlin und auch bei uns zu Besuch. Von Beruf war sie Altenpflegerin und ihr Leben lang unverheiratet. Nach dem Mauerbau riss der Kontakt weitgehend ab. Der Briefkontakt war oberflächlich. Erst als die Besucherregelung für die DDR galt, fuhren wir dann einmal nach Frankfurt/Oder um Gisela zu besuchen. Klar nahmen wir ihr auch ein paar Dinge mit, von denen wir wussten, dass es die in der DDR kaum bis gar nicht gab. So war mir bekannt, dass sie gern Matjesfilets aß, die gab es aber dort nicht. Also bekam sie welche. Noch ein paar Kleinigkeiten, wie Puddingpulver und Strumpfhosen, viel ging ja nicht. Alles war regelmentiert. Von der Wohnung waren wir entsetzt, eine dunkle Behausung,  zwei kleine Zimmerchen, die Toilette ein Verschlag. Als Deko fanden sich auf Regalen leere Coladosen und Alditüten, das wurden gehegt und gepflegt.    

Wir wiederholten den Besuch noch einmal. Gisela hatte nun eine neue Wohnung bekommen. Nicht größer, aber heller und mit ordentlichen sanitären Anlagen. Wir lernten auch ein wenig von der Stadt kennen. Bei einem Besuch lud uns Gisela in ein Restaurant zum Essen ein. Das Angebot war sehr eingeschänkt, es musste auch alles vorbestellt werden. Wir waren immer froh, wenn wir die Grenze passiert hatten und wir wieder zu Hause waren. Als Gisela dann Rentnerin war, kam sie einmal zu uns. Wir holten sie am Bahnhof Friedrichstraße ab. Bei einem ersten Einkaufsbummel, ein für uns normaler Supermarkt, fielen ihr fast die Augen aus dem Kopf. Sie bestaunte das reichhaltige Angebot. Ich habe ihr aber  klar machen müssen, das wir zwar fast alles bekommen, was aber nicht bedeutete, das wir uns das auch alles leisten können. Danach kamen von ihr Forderungen. Ich brauche dies, ich möchte das. Nagellack von einer Markenfirma, eine Hundeleine, bitte ausrollbar, Schokolade von der Firma  X und vieles mehr. Ich konnte mir damals keinen Markenlack leisten, und ihr sollte ich den kaufen? Ne, irgendwo hört das auf. Als die Forderungen immer mehr wurden, sagte ich ihr, dass das nicht geht. Über diesen Zwist erledigte sich dieser Kontakt irgendwann. Was aus ihr geworden ist? Ich weiß es nicht.    

Fazit

Ich habe rückblickend und gleichwertig keine Familie mehr, jedenfalls keine, die mir bekannt ist. Nachfolgend gibt es meine Kinder und Enkelkinder, doch dazu an anderer Stelle mehr. 

Die Schwiegerfamilie

Klaus - Dieter 

Klaus - Dieter ist das jüngste Kind und der einzige Sohn von Erna und Richard. Als er am 08. September 1945 in Berlin Neukölln das Licht der Welt erblickte, war gerade der Krieg zu Ende. Seine Schwestern waren schon viel älter. Hannelore war schon 18 Jahre alt und Brigitte war mit neun Jahren auch schon Schulkind. 

So wuchs er fast als Einzelkind heran. Bei den Eltern nahm er als Nachkömmling und einziger Sohn eine Sonderstellung ein. Mutter Erna war aber trotzdem in der Erziehung nicht zimperlich. Da flogen schon mal Handfeger oder Teppichklopfer, wenn Klaus - Dieter nicht parierte.  

Als mittelprächtiger Schüler absolvierte er die Hauptschule und machte eine Ausbildung zum KFZ-Schlosser. In dem Zusammenhang erwarb er auch die Fahrerlaubnis.

Nebenbei musste er in den Morgenstunden mit den Eltern Zeitung austragen, was sich natürlich auf seine schulischen Leistungen auswirkte, da er oft müde war. Nach Beendigung der Ausbildung fing Klaus - Dieter bei der Firma Gustav Schöne an. Ein traditionelles Rixdorfer Fuhrunternehmen, wo er als Kraftfahrer gearbeitet hat.  Dort konnte er seinen Führerschein nutzen, denn ein eigenes Auto war finanziell nicht drin.  Er lernte dort auch Pferdekutschen lenken und den Umgang mit diesen Tieren.

Ich lernte Klaus-Dieter im Jahr 1963 kennen. Wir gingen zusammen zur Tanzschule und wurden bald ein Paar.

Klaus und ich zu unserer Hochzeit am

14. Oktober 1966

1965 feierten wir große Verlobung und am 14. Oktober 1966 wurde geheiratet. Das alles ging nicht ohne familiäre Probleme ab. Meiner Familie war ein einfacher Handwerker nicht gut genug und Klaus' Eltern wollten ihren Sohn so schnell nicht hergeben. So wurde ich bald schwanger, und wir "mussten" heiraten.  

Das dieser Schritt ein Fehler war, sollte sich erst später heraustellen. Zunächst waren wir happy und freuten uns auf unser erstes Kind. Die ersten drei Monate wohnten wir bei Klaus Eltern in einer 1 1/2 Zimmer Wohnung. Dass das nicht gut gehen konnte war abzusehen. Anfang 1967 bekamen wir unsere erste eigene Wohnung in der Neuköllner Richardstraße über Klaus seinen Arbeitgeber. 

Dort wurde auch am 09. April 1967 unser Sohn Lars geboren. Das Geld, das Klaus bei der Firma Schöne verdiente (das waren damals etwas mehr als 100,00 DM in der Woche) reichte vorne und hinten nicht. Am Ende des Geldes war noch immer soviel Monat übrig.  

Also suchte sich mein Mann eine andere Beschäftigung. In einer Speditionsfirma konnte er auch Auto fahren und verdiente um einiges mehr. Das bedeutete aber für uns auch einen Wohnungswechsel. Um Miete zu sparen übernahm ich eine Hauswartsstelle in einem Haus im Britzer Damm. Dort wurde am 30. April 1969 unsere Tochter Sonja geboren.

Danach stand wieder ein Wohnungswechsel an. Mir wurde die Hauswartstelle und damit auch die Wohnung gekündigt, nachdem ich mit der Hausverwaltung in Streit geraten war. Grund waren die Arbeitseinschränkungen während meiner Schwangerschaft, die die Hausverwaltung nicht anerkennen wollte.  Wir bekamen eine neue Wohnung in der Schöneberger Golzstraße, wo ich auch wieder eine Hauswartstelle hatte.  

In dieser Zeit bekam Klaus von seinem Onkel Willy den Rat, doch eine Anstellung im öffentlichen Dienst anzunehmen. Er selbst war dort auch beschäftigt. Die Gründe dafür waren ein gesicherter Arbeitplatz und ein geregeltes Einkommen. Das waren natürlich schlagende Argumente und Klaus ging darauf auch ein. Er bekam eine Stelle in der Neuköllner Zentralwäscherei, die zu dieser Zeit  in der Teupitzer Straße war. Das war nun alles sehr schön, aber das Einstiegsgehalt war um vieles weniger, als in der Spedition. Das bedeutete, ich musste mir ganz schnell einen Job suchen, um die Hauhaltskasse zu füllen. Das war mit zwei kleinen Kindern aber gar nicht so einfach. So waren wir dann auf die Hilfe der Schwiegereltern angewiesen, die ich eigentlich nicht wollte. Zum Glück dauerte dieser Zustand nicht lange. Klaus bekam das Angebot, eine Hauswartstelle in einem Seniorenheim zu übernehmen. So wechselte er vom Arbeiter- in das Angestelltenverhältnis und verdiente auch mehr Geld.

Das bedeutete aber auch erneut einen Wohnungswechsel, denn die Hausmeisterstelle war mit einer Dienstwohnung verbunden. So packten wir wieder unsere sieben Sachen und zogen kurz vor Weihnachten 1969 in die Neuköllner Sonnenallee in das Erich-Raddatz-Haus. Dort hatten wir eine Zwei-Zimmer-Wohnung. Klaus seine Mutter versuchte wieder kräftig mitzumischen, was stets zu Streit führte. Das ging eines Tages soweit, dass mein Mann seine Mutter vor die Tür setzte. Er hat ihr etwas unsanft klar gemacht, dass das unser Haushalt war und nicht der ihrige.    

Sonja und Lars 1970 vor unserer Wohnung in der Sonnenallee 

Unsere Freizeit drehte sich um unsere kleine Familie. Klaus - Dieter war ein toller Vater, zumindest solange die Kinder klein waren. Da wir unser Geld zusammenhalten mussten, waren Unternehmungen selten. Feierlichkeiten fanden meist in der Familie statt und Freundschaften bestanden aus Arbeitskollegen.

1972 stand dann ein erneuter Wohnungswechsel an. Klaus bekam eine Hausmeisterstelle im neu erbauten Seniorenheim in der Rudower Wutzkyallee, im Kurt-Exner-Haus. Der Vorteil war, wir hatten dort eine größere Wohnung. Unsere Ehe steckte aber zu dieser Zeit in einer Krise. Ich fuhr erst einmal zur Kur, danach wagten wir einen Neuanfang. Neun Jahre schafften wir noch, die aber ein ewiges auf und ab waren. Klaus war ein sehr bequemer Mensch, der mit dem zufrieden war, was er hatte. Da er während seiner Arbeit als Hausmeister viel Freizeit hatte, saß er immer öfter mit Kollegen*innen beim Bierchen zusammen. Einen Grund zum feiern gab es immer. So war er oft alkoholisiert, wenn ich am Nachmittag von der Arbeit kam. Das führte regelmäßig zum Streit, ebenso wie meine meine beruflichen Vorstellungen. Ich wollte mich fortbilden, wollte weiter, vor allem raus aus dem finanziellen Dilemma.

War hatten in der Zwischenzeit ein Auto, fuhren auch in den Urlaub, aber alles klein, klein! Abewechselung boten Veranstaltungen im Seniorenheim. Später schlossen wir uns einem Karnevalsverein an. 

 

Als die Kinder größer waren, konnte ich fest mit arbeiten gehen. Auch wenn mein berufliches Fortkommen immer wieder zu Streitigkeiten führte, setzte ich mich durch. Klaus war eine Glucke, der seine Familie am liebsten 24 Stunden um sich gescharrt hätte. Damit konnte und wollte ich nicht leben. Auch unsere sexuellen Vorstellungen drifteten auseinander. Wir hatten zwar beide gemeinsam unsere ersten Erfahrungen in dieser Richtung gemacht, unsere späteren Bedüfnisse entwickelten sich aber im Laufe der Jahre in unterschiedliche Richtungen.

Materiell ging es uns jetzte etwas besser, wir konnten auch einmal etwas unternehmen.

 

 

 

Klaus-Dieter im Karnevalsoutfit der Rheinischen Karnevalsgesellschaft Berlin e.V. etwa 1980 

Klaus als Familienvater etwa 1973 in Berlin zum Weihnachtsmarkt in den Messehallen am Funkturm

Klaus und ich anlässlich einer Ball-Veranstalrtung im Prälaten Schöneberg 1973

 

Wir fingen an, etwas größere Reisen zu unternehmen. So nutzten wir die sozialen Angebote der Stadt oder fuhren mit dem Auto. Bayern, Österreich, die Lüneburger Heide oder die Nordsee waren unsere Ziele. Den ersten Flug erlebte Klaus mit dem Karnevalsverein von Berlin nach Köln. Für ihn war das ein Horrortrip. Ich weiß nicht, ob er danach jemals wieder in ein Flugzeug gesiegen ist, zu meiner Zeit jedenfalls nicht.

Klaus-Dieter (links im Bild) mit seinen Kindern und unserem Freund Hubertus M. in Seelscheid etwa 1980

Klaus-Dieter ( vorne links) mit  seiner Tochter zu deren Konfirmation

Schlussendlich war das Ende abzusehen. Im November 1981 packte ich meine persönlichen Sachen und ging. Unsere damals 12jährige Tochter kam mit mir, unser Sohn Lars, damals 14 Jahre alt, blieb beim Papa. Wir trennten uns im Frieden, auch wenn die emotionale Belastung doch groß war. 15 Jahre Ehe fegt man nicht einfach vom Tisch. Wir hatten uns nichts mehr zu sagen. 1984 erfolgte die Scheidung, das Sorgerecht für die Kinder behielten wir beide. Auch hielten wir respektvollen Kontakt. Das ging so lange gut, bis Klaus eine neue Partnerin hatte. 

Der Kontakt wurde weniger, riss irgendwann ganz ab. Von unseren Kindern erfuhr ich von der neuen Eheschließung und dass die neue Frau auch zwei Kinder mitbrachte. Damit lies die Interesse an unseren Kindern nach. Von der Familie erfuhr ich, dass Klaus später eine Hauswartstelle an einer Schule bekommen hatte, da die Seniorenheime privatisiert wurden.  Er lebte zuletzt mit seiner Frau in Berlin -Buckow. Ich habe ihn in den letzten Jahren drei/vier Mal gesehen und gesprochen. Das letzte Mal im Jahr 2018 bevor wir Berlin verlassen haben. Da ging es ihm recht gut. Zu seinen Kindern, Enkelkindern und der restlichen Familie hat er keinen Kontakt mehr.  Er hat in diesem Jahr (2025) seinen 80sten Geburtstag feiern können. Ich hoffe, dass es ihm gut geht. 

Weitere Familie (die Schwiegerfamilie)

Es gibt im Zusammenhang mit der Schwiegerfamilie noch viele weitere Mitglieder. Zu diesen Personen habe ich schon lange keinen Kontakt mehr. Zum Teil wissen wir noch nicht einmal mehr voneinander. Ich hatte zu den wenigsten Menschen in dieser Familie ein gutes Verhältnis. Die Lebensvorstellung waren einfach zu unterschiedlich.  Meine erste Schwiegermutter Erna war eine sehr dominante Persönlichkeit, die nicht nur ihren Mann, sondern die ganze Familie unter ihrer Fuchtel hatte. Auch mit dem "Sippenleben" konnte ich mich nicht anfreunden. Ich finde es zwar schön, wenn sich eine Familie gut versteht, aber es gibt Dinge, die gehen auch die nächsten Verwandten nichts an. Dem wollte ich mich nicht beugen.  Unter der "Familienglocke" wurde es mit zu eng, ich hatte weitergehende Interessen als "nur" Familie. Ich darf hier auch keine weiteren Personen beschreiben, da diese einer Veröffentlichung ihrer Persönlichkeit widersprochen haben.