Das soziale Umfeld
Irgendwo habe ich einen interessanten Vergleich gelesen: "Das Leben ist wie eine Eisenbahn, viele Menschen steigen ein. Einige fahren nur eine kurze Strecke mit, andere verweilen länger, und nur die wenigsten fahren vom Start bis zum Ziel mit." Ich finde dieses Zitat treffend. Hier meine Erfahrungen und meine Einstellung zum sozialen Umfeld.
Wen man alles so kennt
Heute beginnt die Erfahrung mit Menschen außerhalb des familiären Umfelds meist schon im Kleinkindalter, nämlich in der Kindertagesstätte. Die Kinder lernen früh, was es bedeutet Rücksicht zu nehmen, sich anzupassen und tolerant zu sein. Bei mir begann dieser Prozess erst mit Schulbeginn. Klassenkameradinnen und -kameraden und Lehrkräfte wurden mehr oder weniger kennengelernt. Meine kindlichen Erfahrungen waren nicht sehr positiv, denn wie ich schon an anderer Stelle berichtet habe, wurde ich als unehelich geborenes Kind ohne Vater schnell zur Außenseiterin. Das legte sich zwar im Laufe der folgenden Jahre, aber es blieb etwas in mir zurück.
Der nächste Schritt, neue Menschen kennenzulernen, war die Ausbildung. Meine dominante Meisterin und Kolleginnen bestimmten nun mein Umfeld. In dieser Zeit änderte sich auch mein Freizeitverhalten. Junge Menschen aus der Nachbarschaft gehörten zu Tagesordnung und ich ging zur Tanzschule. Wir hatten viel Spaß und ich lernte auch den Umgang mit Alkohol und Zigaretten. Nun kam auch die neue Familie, meine spätere Schwiegerfamilie ins Spiel. Wieder ein Erfahrungsschritt, der mich viel gelehrt hat.
Der Umgang mit Menschen außerhalb des familiären Umfeldes bestimmten während der Zeit meiner ersten Ehe zunächst vorwiegend Arbeitskollegen und -kolleginnen. Das waren die von meinem Mann, da wir ja auf der Dienstelle von ihm auch unsere Wohnung hatten. Da er Hausmeister in einem Seniorenheim war, erlebte ich dort aber auch den Umgang mit älteren Menschen, die zu Hause nicht mehr allein leben konnten oder wollten. In späteren Jahren hatte ich dann auch meinen eigenen Kollegenkreis.
Mehr als 10 Jahre war ich mit meinem Mann als aktives Mitglied in einem Berliner Karnevalsverein. In dieser Zeit erlebte ich nicht nur Vereinsleben, sondern lernte auch viele interessante Menschen kennen. Speziell in meiner Zeit als Karnevalsprinzessin konnte ich Politiker und Künstler kennenlernen.
Bleiben noch Urlaubsbekanntschaften. Menschen, die ich auf Reisen erlebte. Es waren viele nette Leute, aber auch andere, die mir nicht so sympathisch waren. Aber das beruht dann wohl meist auf Gegenseitigkeit.
Einen großen Stellenwert nahm unsere Nachbarschaftsrunde ein. Viele Jahre waren wir bis zu 15 Nachbarn, die sich einmal in der Woche, immer am Freitagabend, trafen. Daher nannte wir uns auch die "Freitagsrunde".
Es gab und gibt aber auch noch viele andere Situationen, in denen ich andere Leute kennenlernte. Zu den Details werde ich im Folgenden berichten.
Die Kinderzeit
Dieses Foto zeigt mich mit meinem Schulfreund Klaus Mentfewitz zu meiner Konfirmation am 18. März 1961
Klar, gab es in der Schule Mädchen und Jungen, mit denen ich besser konnte als mit anderen. Aber das ist ja ganz normal. Mit einigen habe ich auf dem Schulhof gern gespielt, anderen bin ich lieber aus dem Weg gegangen. Ich habe mich auch schon als Kind zwischen Jungs wohler gefühlt, als bei den Mädchen. Nur sind Mädchen in dem Alter für die Jungen einfach nur doof. So funktionierte das nicht so, wie ich das gerne gehabt hätte. Da ich mich nie an irgendwelchen Streichen beteiligte, Streitigkeiten möglichst aus dem Weg ging, wurde ich schnell zur Außenseiterin. In der vierten Klasse kam dann Evelyn. Evi, wie sie gerufen wurde, wohnte mit ihrer Mutter gleich bei uns ums Eck, so hatten wir den gleichen Schulweg. Evi wurde zu einer Freundin. Viele Jahre sollte das halten. Auch eine räumliche Trennung konnte uns nicht auseinander bringen. Evi war oft mein rettender Engel, wenn ich zu Hause wegen Ungehorsams Stubenarrest bekam. Als wir erwachsen waren, verlor sich unser Kontakt ein wenig, brach aber nie ganz ab. Bis wir verheiratet waren. Unsere Männer verstanden sich nicht, und ich mochte ihn auch nicht. Er war mir zu dominant und Frauen im Allgemeinen und seiner Frau im Besonderen gegenüber zu herablassend. So endete diese Freundschaft nach vielen Jahren.
In den späteren Schuljahren gab es immer wieder Mitschülerinnen mit denen ich engere Kontakte hatte, aber wirkliche Freundinnen hatte ich nie. Wir haben uns gegenseitig besucht, haben Freizeit miteinander verbracht, sind im Sommer zusammen ins Schwimmbad gegangen oder waren im Winter auf der Eisbahn. Was ich hatte? Einen wirklich guten Schulfreund. Klaus Mentfewitz, war während der Oberschule immer an meiner Seite. Wir haben viel Zeit zusammen verbracht, haben zusammen gelernt, Musik gehört oder sind ins Theater und ins Kino gegangen. Leider ist Klaus viel zu früh verstorben. Ein Autounfall riss ihn aus dem Leben, er wurde keine 30 Jahre alt.
Zur Zeit meiner Ausbildung blieb der Kontakt zu ehemaligen Mitschülern oberflächllch. Man sah sich zu regelmäßigen Klassentreffen, tauschte dort die ersten Erfahrungen im Berufsleben aus und hatte einen fröhlichen Abend. Einzig zu Klaus hielt die Freundschaft. Da ich über die Berufsschule oft an ermäßigte Theaterkarten kam, intensivierten sich unsere gemeinsamen Theaterbesuche. Das änderte sich erst, als ich meinen späteren Mann kennenlernte und er auch in einer Beziehung war. Auch zu den Kolleginnen in meinem Ausbildungsbetrieb entwickelte sich keine nähere Beziehung. Auch der gemeinsame Urlaub mit meiner Kollegin Marianne, änderte daran nichts.
Marianne und ich bei einem Spaziergang in Bayern 1963